Der richtige Moment
Grosse Fragen, kleines Glück, bewusstes Leben

Die Sache mit dem richtigen Moment

Letztes Wochenendende unternahmen mein Partner und ich eine Rundwanderung hoch über dem Genfersee (https://www.schweizmobil.ch/fr/suisse-a-pied/itineraires/route-0266.html) und als Belohnung für die Anstrengung wollten wir anschliessend im türkisfarbenen See baden. Endlich am See angekommen wehte jedoch plötzlich ein heftiger Wind, der See war eher graublau als türkis, Wellen peitschten auf und ab, das Wasser war aufgewühlt, Schwemmholz trieb am Ufer. Nach kurzem Hin und Her wagten wir dennoch den Sprung ins aufgewühlte Nass, kämpften gegen hohe Wellen und widerspenstige Seepflanzen. Zwei Stunden später, nach einem gemütlichen Apéro bei Sonnenuntergang, war der See wieder spiegelglatt, der Himmel färbt sich langsam rosa, die Stimmung war magisch. Einen Moment lang nervte ich mich: Hätten wir nicht besser ein bisschen gewartet? Wäre es nicht romantischer gewesen, im spiegelglatten See dem Sonnenuntergang entgegenzuschwimmen? 

Gibt es den „richtigen“ Moment?

Natürlich. Doch gibt es ihn, den einen richtigen Moment? Den Zeitpunkt also, wo sich alle Puzzleteilchen auf magische Weise zusammenfügen? Den richtigen Zeitpunkt, um eine neue Stelle anzutreten, eine Familie zu gründen, ein Haus zu kaufen, eine Weltreise zu machen, ein Buch zu schreiben, ein eigenes Geschäft zu eröffnen oder eben im See zu baden? Und sollten wir wirklich auf diesen einen magischen Zeitpunkt, diese Fügung des Universums, warten? weiterlesen…

Graue Haare
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Graue Haare? Na und?!

Neulich trödelte ich vor dem Zubettgehen wieder einmal im Bad herum, mein Partner tigerte bereits vor der Tür auf und ab, meine Katze miaute vorwurfsvoll und trotzdem putzte ich meine Zähne ein zweites Mal ausgiebig mit meinem neuen, zu 90 % abbaubaren Zahnbürstli aus Bambus. Die Welt roch nach Biosalbei und Biominze und ich war rundum zufrieden. Schliesslich hatte ich soeben einen Beitrag für eine bessere Welt geleistet, oder? So nahm ich mir etwas zu viel Zeit, um mich ausgiebig im Spiegel zu betrachten. Und da entdeckte ich sie: Die ersten grauen Haare. Was? Graue Haare? Ich? No way! weiterlesen…

Scheidung
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Endstation Scheidung: Verlobt, verheiratet, verkracht?

Ich tummelte mich gerade in den Niederungen des World Wide Web und klickte mich durch Granatapfelentkernungstutorials, als mich die Nachricht von Thomas Gottschalks Scheidung ereilte. Ja, ich gebe es zu: Die Neuigkeit erreichte mich per Brigitte Push-Nachrichten und warum ich die erhalte, weiss ich auch nicht so genau. Aber schweifen wir nicht ab: Nach 42 Jahren Ehe lassen sich Thomas Gottschalk (68) und seine Frau Thea (73) also scheiden, Deutschland ist laut Bunte «geschockt». Kurze Zeit später geht erneut ein Aufschrei durch die Nation. Offenbar hat der Fernsehmoderator bereits eine Neue und noch dazu eine zehn Jahre Jüngere, OH MEIN GOTT!

Ganz ehrlich, ich hatte bis zu jener fatalen Nachricht keine Ahnung, wie Thomas Gottschalks Frau heisst, und die Scheidung von Thomas und Thea lässt mich ziemlich kalt. Aber die Themen Heirat und Scheidung sind für mich brandaktuell – auch wenn oder vielmehr gerade weil ich nicht verheiratet bin. weiterlesen…

Gymi
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Warum das Gymi nicht alles ist

Hast du auch ein Samstagmorgenritual? Meins besteht darin, Tee aus einer rosaroten Einhorntasse zu trinken, Marmeladenbrötchen zu essen und «Das Magazin» zu lesen. Doch vorletzten Samstag blieb mir das Brötchen schier im Hals stecken. Ausgelöst hatte mein Beinahe-Ersticken ein Artikel über die Probezeit am Gymnasium. Im fraglichen Artikel schildert ein Vater die Probezeit seiner Tochter an einem Zürcher Gymnasium und die damit verbundenen Leiden seiner Familie. Ein Jahr zuvor hatte er bereits von den unmenschlichen Strapazen berichtet, die seine Familie vor den Gymiprüfungen der Tochter durchstehen musste. Doch inzwischen geht das Töchterchen tatsächlich aufs Gymi – und muss weitere schwere Prüfungen bestehen, um definitiv aufgenommen zu werden. weiterlesen…

Januar-Blues
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Januar-Blues: Warum es sich lohnt, das Jahr ruhig anzugehen

Liebe Leserin, lieber Leser, leidest du auch unter dem Januar-Blues? Hast du die Minustemperaturen, die ewige Dunkelheit und deine ambitiösen Neujahrsvorsätze langsam satt? Und bist du auch der Meinung, dass der Januar der vertrackteste Monat des Jahres ist?

Es ist doch so: Jeder Monat tanzt nach seinem eigenen Rhythmus – und der Januar ist besonders verkrampft. Der Dezember tanzt wie eine barocke Schönheit – schwerfällig, frivol und ein bisschen behäbig. Im Dezember lassen wir es uns gut gehen. Wir werfen das schwer verdiente Geld leichtfertig zum Fenster hinaus, schlagen uns die Bäuche voll, feiern die Liebe und schlafen wie Murmeltiere. Der Januar hingegen ist ein Miesepeter. Wenn er tanzt, dann tritt er höchstens zur Pflicht an. Doch viel lieber rennt und keucht er wie ein Leistungssportler. Sobald die Neujahrsglocken erklingen, kommt er ehrgeizig aus der Startbahn geschossen, sein Puls rast, seine Augen sind starr auf die Ziellinie gerichtet. Und unaufhörlich krächzt er: Abnehmen! Sparen! Trainieren! Verbessern! Optimieren! Das neue Jahr soll schliesslich besser werden als das alte.

Dementsprechend ächzen die Regale der Buchhandlungen im Januar unter all den Büchern zu Saftdiäten und Self-Growth-Ratgebern, die Zeitschriften überbieten sich mit Tipps zum Intervallfasten, zur Low-Fat-Küche und zur Senkung des Bluthochdrucks, Fitnessstudios haben Hochkonjunktur, in den sozialen Medien boomen Hashtags wie #Veganuary oder #Dryjanuary und selbst bei eisigem Wetter trifft man im Wald auf beleibte Jogger, die sich in viel zu warmer Kleidung schwer schwitzend verschneite Hügel hinaufschleppen. Oh Januar, du bürgst uns viel zu viel auf!

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Selbstfindung
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Selbstfindung oder Selbsterfindung, das ist hier die Frage!

Ich entsorgte gerade Papier, Glas und Dosen und nervte mich über die Katzenfutter-, Olivenöl und Rotweinreste, die sich am Boden meiner Tasche zu einem ekligen Etwas vereint hatten, als mir der Satz an der gegenüberliegenden Mauer ins Auge sprang. Da hatte jemand in leuchtend blauen Buchstaben drei simple Wörter hingeschmiert: «Was wosch sy?»

Die drei leuchtend blauen Wörter sahen mich herausfordernd an. Sie kitzelten mich, sie neckten mich und sie liessen mich nicht mehr los. Sie begleiteten mich auf dem Nachhauseweg, beim Abendessenkochen und beim Einschlafen. Denn was, wenn die entscheidende Frage nicht lautet, wer wir sind, sondern wer wir sein wollen? Oder anders ausgedrückt: Ist die Selbsterfindung die neue Selbstfindung? weiterlesen…

Reisefrust
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Reisefrust statt Reiselust: Der wahre Preis des Reisens

Das „Grüezi” aus dem dunkelrot geschminkten Mund der Flight-Attendant beendet die Ferien abrupt. Müde kämpfen wir uns durch den langen Rumpf der Swiss, vorbei an stoisch lächelnden Flugbegleiterinnen und aufgeregten Passagieren. Direkt vor dem Notausgang sitzt ein Ehepaar, die Hände eng ineinander verschlungen, die Füssen wild wippend, die rettende Tür in Reichweite. Das Flugzeug ist komplett besetzt, die meisten Fluggäste sind Schweizer, die wie wir aus dem Irlandurlaub heimkehren. Unser zehntägiger Trip durch Irland war toll, das Wetter ungestüm, die Landschaft von wilder Schönheit. Doch ein schales Gefühl bleibt, Reisefrust macht sich breit: Was suchen wir so dringend in der Ferne, das uns immer wieder dazu bringt, uns in eine enge, stickige und ohrenbetäubend laute Röhre zu quetschen und mit fast 800 Kilometern pro Stunde durch die Luft zu schiessen?

Reisefrust #1: Wo die Abfallberge glitzern

Ich leide an Reisefrust. Warum? Die Menschen sind noch nie so viel gereist wie heute. Was früher ein Privileg der Wohlbetuchten war, ist heute zur Massenaktivität verkommen. Billigflieger katapultieren uns in wenigen Stunden an meilenweit entfernte Orte, wo wir uns mit anderen Touristen durch enge Städtchen zwängen, wie Ölsardinen an einem Strand liegen oder stundenlang Schlange stehen, nur um uns in einem Museum gegenseitig auf die Füsse zu treten. Und selbst abseits der ausgetretenen Pfade pilgern heute Scharen von Touristen – den sozialen Medien sei Dank.

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Weiterbildung
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Weiterbildung in den Ferien – echt jetzt?

Montagvormittag bei der Arbeit: Es sind Sommerferien, die Leute schlurfen in Badekleidung am Büro vorbei, unter ihren Armen klemmen bunte Gummieinhörner, Gummienten oder Gummiflamingos. Die Aare wartet. Neidisch blicke ich den immer kleiner werdenden Einhörnern hinterher. Für mich gibt es den Aareschwumm erst nach Feierabend – meine Sommerferien sind bereits Geschichte, die Geschichte ist schnell erzählt. Zwei Wochen Kroatien, viel Sonne, viel Wein, zu viele Touristen. Meine Gedanken schweifen ab, schlaftrunken klicke ich durch meine E-Mails, kämpfe mich durch Newsletters, Werbung, Werbung und noch mehr Werbung. Ein Kontingent für Werbung, das wäre doch mal was, oder? Und da stolpere ich über folgenden Satz, der mich unsanft in die montagmorgendliche, nach Kaffee und Gipfeli duftende Arbeitsrealität zurückholt: „Nutzen Sie die Urlaubszeit, um sich um Ihre Weiterbildung zu kümmern!”

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Barcelona
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Lost in Barcelona

Wir warten. Und warten. Und warten. Ich schleiche mich noch einmal verstohlen zur Anzeigetafel, obwohl ich schon weiss, was da steht: Delayed. Unser Flug von Barcelona nach Genf hat mittlerweile über sechs Stunden Verspätung. Und der Start wird laufend nach hinten verschoben. In Frankreich streiken die Fluglotsen, das pure Chaos regiert den französischen Luftraum. Für uns heisst das: Wir haben keine Chance mehr, den letzten Zug von Genf nach Bern zu erwischen. Und werden einen ganzen Arbeitstag verpassen.

Eigentlich mag ich Flughäfen. Ich mag das Gewusel, das Sprachengewirr und die Anzeigetafeln, die Möglichkeiten verheissen: London, Bangkok, New York, Paris, Buenos Aires, wohin darf es gehen? Aber was macht man einen Tag lang in der Abflughalle von Barcelona el Prat? Essen oder shoppen, das ist hier die Frage! Wenn das Essen doch wenigstens gut wäre. Und nicht so schweineteuer!

Endstation Barcelona El Prat: Von einem Flugzeug, das nicht fliegt

Easy Jet hat uns als Entschädigung für den verlorenen Tag grosszügigerweise einen Gutschein von 18 Euro pro Person spendiert. Aus Langeweile schlagen wir uns die Bäuche voll: Früchte und Smoothies für das gute Gewissen, Chips, Schokolade und M&M’s gegen den Frust und zum krönenden Abschluss einen Double-Cheesburger. Mir ist schlecht. Und dann wird unser Flug nochmals um eine Stunde verschoben. ¡Ay caramba!

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Tod
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Was uns der Tod lehrt

Kürzlich starb mein Kater. Er litt an einer schweren Krankheit, er frass nicht mehr, er putzte sich nicht mehr, er hatte jegliche Freude am Leben verloren. Der Tierarzt legte mir nahe, ihn einzuschläfern. Schweren Herzens nahm ich von ihm Abschied. Lange streichelte ich seinen noch warmen Körper, das flauschige Fell hinter seinen Ohren, seine samtigen Pfoten und konnte nicht glauben, dass sein Körper nur noch eine leblose Hülle war, die bald zerfallen sein würde. Dass sein Leben vorbei war. Dass er nie wieder maunzend um meine Beine streichen, sich genüsslich in der Sonne räkeln oder mit mir Verstecken spielen würde.

Der Tod lehrt uns: Nichts besteht, alles vergeht

In den folgenden Tagen dachte ich viel über den Tod nach. Darüber, wie er sich plötzlich in mein Leben geschlichen und mich hinterrücks überfallen hatte. Wie ein feiger Ganove. Doch hatte er das? Oder hatte ich ihn nur erfolgreich verdrängt?

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