Erfolg
Selbstbestimmung

Erfolgreich oder (er)folgsam? Gedanken zum Erfolg

Was ist Erfolg? Die Antwort ist vermeintlich einfach. Gemeinhin assoziieren wir Erfolg mit sozialem Status und materiellem Wohlstand. Erfolgreich ist demnach, wer eine gute Ausbildung und ein prall gefülltes Bankkonto hat, einem prestigeträchtigen Job nachgeht, über 40 Stunden pro Woche arbeitet – deutlich mehr ist natürlich besser –, ein teures Auto fährt, schicke Kleider trägt und die Hälfte eines Doppelhäuschens sein Eigen nennen darf. Erfolgreich ist, wer sich für vier Wochen Ferien pro Jahr tagein, tagaus abrackert. Möglicherweise in einem Job, den er oder sie innerlich bereits seit Jahren gekündigt hat.

Erfolg ist etwas höchst Individuelles

Ist ein erfolgreicher Mensch also jemand, der dem scheinbar vorgegebenen Pfad möglichst brav folgt? Jemand, der sein Leben danach ausrichtet, die Erwartungen anderer zu erfüllen? Hand aufs Herz: Definierst du so einen erfolgreichen Menschen?

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Minimalismus
Gesellschaft

Minimalismus: Weshalb Verzicht in Zeiten des Konsumwahnsinns so populär ist wie nie

Minimalismus ist zurzeit in aller Munde. Unzählige Blogs und YouTube-Kanäle propagieren den minimalistischen Lebensstil, Minimalisten lächeln von Zeitschriften-Covers und diskutieren in TV-Sendungen zwischen zwei Werbeblöcken über die Vorteile des Nicht-Besitzens. Und streiten hinter vorgehaltener Hand darüber, was ein richtiger Minimalist ist, beziehungsweise wie viele Dinge er besitzen darf.

Die dunkle Seite des Konsums: Kinderarbeit, 16-Stunden-Arbeitstage und Umweltzerstörung

Auf den ersten Blick erstaunt diese Entwicklung. Denn wir leben in einer Zeit, in der immer breitere Bevölkerungsschichten am Konsum teilhaben können – Wohlstand, Geiz-ist-geil-Mentalität, Dumpingpreise und Billigstarbeitskräfte in Asien und Afrika machen’s möglich.

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Yoga
Glück

Jenseits von Verrenkungen: Warum Yoga mehr ist als ein weiterer Fitnesstrend

Der Schweiss strömt mir übers Gesicht. Meine Beine zittern verdächtig. Im winzigen Yogastudio riecht es nach menschlichen Ausdünstungen, Anstrengung und Ehrgeiz. Das hohe Tempo raubt mir buchstäblich den Atem. Asana jagt Asana. Dabei sollten wir uns doch auf unseren Atem konzentrieren. Aber ich bin viel zu beschäftigt mit der korrekten Ausführung der einzelnen Bewegungen. Muss ich den rechten Arm über dem linken verknoten oder genau umgekehrt? Und was bitteschön soll ich mit meinen Beinen anstellen?

Wo Kapitalismus auf Spiritualität trifft

Möglichst unauffällig schiele ich nach den anderen Kursteilnehmern. Die Frau rechts von mir schaut sich ebenfalls verstohlen um und lächelt mir zu. Ob das ein Friedensangebot sein soll? Vorhin hat sie mir unabsichtlich den Arm in die Seite gerammt. Denn Platz ist hier Mangelware. Die Matten schmiegen sich so dicht aneinander wie frisch Verliebte.

Mussten wir deshalb zu Beginn des Kurses ein Formular unterschreiben, dass wir jegliche Verletzungen selbst zu verantworten haben? Zählen marktwirtschaftliche Überlegungen und juristische Bürokratie am Ende des Tages doch mehr als Zen und Achtsamkeit?

Der ältere Mann zu meiner Linken streift mich derweil mit einem triumphierenden Blick und hievt sich schwer atmend in den Kopfstand. Wie ein Hochleistungssportler wirkt er, nicht wie ein Sadhu. Was bitteschön soll daran entspannend sein?

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Heimat
Gesellschaft

Liebe Schweiz, manchmal nervst du tierisch!

Die Menschentraube am Check-in-Schalter bugsiert mich langsam vorwärts. Es ist brütend heiss in der Halle, die Luft riecht nach Sonnencrème, Schweiss und Ferienende. Das Flugticket nach Basel klebt in meiner Hand, der Tramper drückt auf meine Schultern. Ich verfluche meine Hamsterkäufe. Den sardischen Wein, den Pecorino, die Oliven. Die Leute drängeln. Ein dicker Mann tritt meinem Freund auf den Zeh. Eine Frau kreischt, weil sie für einen Augenblick ihr Kind aus den Augen verloren hat. Das schweizerdeutsche Stimmengewirr schmerzt in meinen Ohren. Spätestens jetzt will ich umkehren. So enden sie jedes Mal, meine Ferien. Mit Fluchtgedanken.

Was ist Heimat?

Denn die Schweiz und ich – das ist keine Liebesgeschichte. Obwohl es doch ganz einfach wäre. Auf dem Papier ist die Schweiz meine Heimat. Hier wurde ich geboren. Hier wuchs ich auf. Meine Eltern sind Schweizer. Meine Grosseltern auch. Schweizerdeutsch ist meine Muttersprache. Ich bin Schweizerin.

Aber was bedeutet mir die Schweiz? Ist die Schweiz meine Heimat? Und was bitteschön heisst Heimat überhaupt? Ist die Heimat ein Ort auf der Landkarte? Oder doch eher ein Gefühl von Geborgenheit, das uns wohlig wärmt? Und uns an einem beliebigen Ort auf der Welt packen kann?

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Glück
Glück

Warum uns das Glück niemals finden wird

«Irgendeinisch fingt ds Glück eim.» So lautet der Refrain eines Songs der Berner Band Züri West. Irgendeines Songs? Nein! Für mich ist «Fingt ds Glück eim?» nicht irgendein Lied. Es ist ein Lied, das mich treu durch meine Jugendjahre begleitete, das ich heiss liebte und in dessen Melancholie ich mich genüsslich suhlte. Und es ist ein Lied, das ich kürzlich beim Joggen wiederentdeckte – Zufallsmodus sei Dank. Doch der Song stimmte mich auch nachdenklich. Ist es denn tatsächlich so? Findet einen das Glück eines schönen Tages? Einfach so? Zufällig? Irgendwo auf einem Parkplatz, an einer Bushaltestelle oder an einem Küchentisch, wie Kuno Lauener, der Frontmann der Band, singt?

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Selbstoptimierung, nein danke
Glück

Selbstoptimierung? Nein danke! Warum Perfektion langweilig ist

Neulich sass ich an der Aare, las ein Buch und schleckte ein Eis. Ich genoss die unbeschreibliche Leichtigkeit des ersten Sommertages – er schmeckte nach Brombeere und gesalzenem Karamell – und lauschte unfreiwillig zwei jungen Müttern, die sich über Windeln, Wäscheberge und Weiterbildungen unterhielten. Die eine wiegte einen weinenden Jungen im Arm, während die andere erfolglos versuchte, ihre zwei Mädchen im Zaum zu halten.

Die zweite Frau hatte gerade die von Schokoladeeis bekleckerten Gesichter der beiden Mädchen gesäubert, als sie tief seufzte und meinte: «Manchmal ist mir alles zu viel. Das Mamisein, der Haushalt, die Arbeit. Und ständig muss man sich weiterbilden, muss diese und jene Kurse und Events besuchen. Und Sport sollte ich auch mal wieder treiben. Doch dafür habe ich schlicht keine Zeit!»

Die Frau mit dem weinenden Jungen im Arm hob die gezupfte Augenbraue und erwiderte spitz: «Du musst dir halt bewusst Zeit für den Sport nehmen. So mache ich es. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mein Vor-Schwangerschafts-Gewicht noch nicht ganz erreicht habe.» Und nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: «Das Leben ist halt kein Zuckerschlecken. Wenn du nicht ständig dranbleibst, bist du im Nullkommanichts weg vom Fenster. Das willst du noch nicht, oder?»

Der Selbstoptimierungswahn hat alle Lebensbereiche fest im Griff

Die Mädchenmamma tat mir leid. Und ich ärgerte mich über den unsensiblen Kommentar der Bubenmamma. Beide hatten – nur so nebenbei gesagt – einen wunderschönen Körper.

Doch man beziehungsweise frau kann offenbar nie perfekt genug sein. Zweifellos liegt der Selbstoptimierungswahn im Trend. Und hat mittlerweile alle Lebensbereiche infiltriert – die Arbeit, die Freizeit, den Körper, die Kleidung, die Ernährung, die Kindererziehung, um nur einige zu nennen.

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Angst und Panik
Selbstbestimmung

Wenn ein Leberfleck alles ändert: Ein Protokoll der Angst

Plötzlich war alles anders. Ein flüchtiger Blick in den Spiegel hatte der Angst die Eingangspforte zu meiner Seele geöffnet. Jetzt sass sie mir im Nacken. Nein, genau genommen hatte sie sich frech zwischen meine Schulterblätter gesetzt. Und zwar in der Form eines hässlichen, abstehenden, munter vor sich hinwachsenden Leberflecks.

Angst? Flüchten oder kämpfen, wir haben die Wahl

Was tun wir, wenn wir Angst haben? Es ist simpel. Wir flüchten. Oder wir kämpfen. Das heisst: Entweder vermeiden wir die angstauslösende Situation oder wir stellen uns ihr.

Ich entschied mich für Letzteres. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung: Wenn wir uns der Angst nicht stellen, kommt sie früher oder später immer zurück. Und zwar mit doppelter Kraft.

Ich rief also zuerst bei meinem telemedizinischen Zentrum an – genau so, wie es mein Versicherungsmodell vorsieht. Nachdem mich die diensthabende Ärztin telefonisch befragt und die Fotos meines Leberflecks – die ich ihr eingangs schicken musste – ausgewertet hatte, beschloss sie, mich an einen Dermatologen zu überweisen. Mein Leberfleck sah zwar unverdächtig aus. Aber er war gewachsen. Und das war kein gutes Zeichen. So viel hatte ich verstanden.

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Hausarbeit
Gesellschaft

Ist Hausarbeit keine Arbeit? Über verstaubte Arbeitsvorstellungen, Genderklischees und richtig verzweifelte Hausfrauen

Letzte Woche schwang ich wieder einmal widerwillig den Putzlappen und kämpfte gegen den Staub, die Katzenhaare und meine Putzaversion. Ich schrubbte gerade leicht genervt die Badewanne, als ich mich fragte, wie viele Stunden pro Woche wir eigentlich mit Hausarbeit verbringen. Mit – wie es das Wort ja schon sagt – Arbeit. Arbeit jedoch, die nicht bezahlt wird. Arbeit, die belächelt und nicht als «richtige» Arbeit betrachtet wird. Und Arbeit, die auch im 21. Jahrhundert überwiegend von Frauen erledigt wird.

Schweizerinnen verbringen durchschnittlich 27,5 Stunden pro Woche mit Hausarbeit

Ich wollte es genau wissen und recherchierte: Laut dem Bundesamt für Statistik arbeitete Frau Schweizer im Jahr 2013 pro Woche durchschnittlich 27,5 Stunden im Haushalt, während es Herr Schweizer auf 17,3 Stunden brachte. Die Statistik berücksichtigt dabei klassische Hausarbeiten wie Putzen, Waschen und Kochen, aber auch die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Erwachsenen.

Betrachten wir ausserdem die kinderlosen Paare, die in einem 2-Personen-Haushalt leben: Frauen verbrachten 2013 durchschnittlich 22,6, Männer 15,4 Stunden pro Woche mit Hausarbeit. Erstaunliche Zahlen, nicht wahr?

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Sicherheitsdenken
Glück

Carpe diem! Ein Plädoyer gegen das Sicherheitsdenken

Neulich stolperte ich über einen – ja, ich gebe es zu – an sich harmlosen Zeitungsartikel. Im besagten Artikel warnte die Journalistin potenzielle Weltenbummlerinnen und Weltenbummler davor, der Schweiz für längere Zeit den Rücken zu kehren. Warum? Weil, so argumentierte sie, ein Auslandaufenthalt eine Kürzung der Rente nach sich ziehen könnte. Das Sicherheitsdenken treibt manchmal seltsame Blüten, nicht wahr?

Doch schauen wir etwas genauer hin. Die Message lautete: Vergessen Sie die Altersvorsorge nicht, wenn Sie auf Weltreise gehen, an einer ausländischen Universität studieren oder im Ausland arbeiten. Denn für jedes Jahr, in dem man bzw. frau keine Beiträge an die AHV zahle, würde die Rente um 2.3% gekürzt. Im Jahr 2015, so der Artikel weiter, hätten schon 12% der Schweizer Neurentner und 27% der ausländischen Neurentner in der Schweiz Beitragslücken in der AHV aufgewiesen. Alarmierende Zahlen also!

Die Weltreise – eine unbezahlbare Erinnerung

Ja, ich gestehe es: Auch ich habe meine AHV-Beiträge nicht lückenlos eingezahlt. Weil ich Mitte zwanzig die Welt entdecken wollte und mich zu wenig um meine Altersvorsorge gekümmert habe. Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter, in dem ich mir tatsächlich manchmal Sorgen um meine erste, zweite und dritte Säule mache. Und trotzdem bin ich der Meinung: Eine Weltreise oder ein Austauschjahr während des Studiums sind unbezahlbare Erinnerungen. Und wiegen eine mögliche Rentenkürzung auf.

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unmotivierte Jobsuche
Selbstbestimmung

Unmotiviert auf Jobsuche: Betrügst du dich selbst?

Momentan beschäftigt mich ein Thema sehr stark: der Selbstbetrug. Aber schön der Reihe nach. Alles begann damit, dass wir in unserem Start-up eine neue Stelle geschaffen und ausgeschrieben hatten. Wochenlang kämpfte ich mich also durch Bewerbungsdossiers, las, machte mir Notizen, fragte nach, sortierte. Auf meinem Bürotisch stapelten sich Karriereträume, säuberlich getrennt in drei Kategorien: Out – in – Stand-by. Tatsächlich schaffte es nur etwa jedes zehnte Dossier, meine Aufmerksamkeit zu erregen und auf dem Pult meines Vorgesetzten zu landen. Woran das lag? Was die guten von den schlechten Bewerbungen unterschied?

Natürlich zählten die harten Fakten, die Berufserfahrung, die Aus- und Weiterbildung, die Sprachkenntnisse, die Arbeitszeugnisse. Aber das Zünglein an der Waage spielte letztlich ein weicher Faktor: die Motivation.

Und genau da lag das Problem. Viele Bewerberinnen und Bewerber scheiterten, weil sie ihre Motivation nicht aufs Papier brachten. Weil sie nicht schlüssig erklären konnten, warum sie sich exakt für diese Stelle bewarben und ausgerechnet bei uns ihre Brötchen verdienen wollten.

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