Monatsarchive

Februar 2017

Sport
Glück

Sport und ich – die Geschichte einer Hassliebe

Heute schnüre ich meine Joggingschuhe zwei- bis dreimal pro Woche. Und auch meine Yogamatte rolle ich regelmässig aus. Doch das war nicht immer so. Denn lange lebte ich getreu dem Motto «Sport ist Mord». Aber gehen wir schön der Reihe nach.

Alles begann vor mehr als zwanzig Jahren in einem nicht ganz so malerischen Berner Dorf. Ich gebe es zu: Im Sportunterricht war ich eine richtige Niete. Niemand wollte mich in seinem Team haben, wenn wir Völkerball (wer hat sich bloss diese rassistische Sportart ausgedacht?) oder Unihockey spielten.

Schlimm waren für mich besonders jene Tage, an denen wir unsere Teams selbst zusammenstellen durften. Denn dann litt mein seelisches Wohlbefinden und mein Selbstvertrauen schmolz wie Butter in der Sonne. Warum? Weil ich stets unter den Letzten war, die gewählt wurden.

Einsam und verlassen stand ich dann nämlich in der gelichteten Reihe, starrte auf den Boden und wünschte mir, jemand anderes zu sein. Eine beliebte und umjubelte Superheldin mit ellenlangen athletischen Beinen und muskulösen Armen etwa. Denn ich genügte offenbar nicht. Das war die simple Lehre, die ich daraus zog.

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Selfies
Gesellschaft

Selfies, Selbstdarstellung und Instagram: Jenseits des schönen Scheins

Ein Blick auf Instagram und die unzähligen Selfies von Herr und Frau Müller genügt: Ja, Selfies sind salonfähig geworden. Da lassen Männer ihre kraftraumgestählten Muskeln spielen und Frauen klimpern mit falschen Wimpern oder lichten ihre solariumgeküssten Körper halbnackt vor dem Badezimmerspiegel ab. Kein Wunder hat der Oxford English Dictionary das Wort «selfie» zum englischen Wort des Jahres 2013 gekürt. Zum Wort also, das den Zeitgeist am besten widerspiegeln soll.

Schein oder digitales Nichtsein, das ist hier die Frage

Ich mag Selfies nicht. Und Instagram ödet mich an. Was bitteschön ist interessant an den ewig gleichen Bildern von grünen Smoothies, weissen Möbeln, Sukkulenten in niedlichen Töpfen und zurechtgefilterten Menschen? Mir fehlt die Originalität. Und die Authentizität. Instagram ist zu steril, zu perfekt. Da gibt es keine überquellenden Wäschekörbe, keine vergammelten Äpfel in der Obstschale, keine Pickel im Gesicht, keine Ehekrisen oder schreienden Kinder. Die Realität hat auf Instagram keinen Platz. Und mehr noch: Wer hier richtig Erfolg haben will, muss tief in die Trickkiste greifen. Ob Tricksen mit Photoshop, Facetune, Filter oder dem richtigen Winkel – alles ist erlaubt. Mit der Wirklichkeit haben die meisten Bilder auf Instagram folglich wenig zu tun. Nein, es sind streng zensierte und bestens frisierte Häppchen aus dem eigenen Leben, die Realität vorgaukeln. weiterlesen…