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Juli 2017

Yoga
Glück

Jenseits von Verrenkungen: Warum Yoga mehr ist als ein weiterer Fitnesstrend

Der Schweiss strömt mir übers Gesicht. Meine Beine zittern verdächtig. Im winzigen Yogastudio riecht es nach menschlichen Ausdünstungen, Anstrengung und Ehrgeiz. Das hohe Tempo raubt mir buchstäblich den Atem. Asana jagt Asana. Dabei sollten wir uns doch auf unseren Atem konzentrieren. Aber ich bin viel zu beschäftigt mit der korrekten Ausführung der einzelnen Bewegungen. Muss ich den rechten Arm über dem linken verknoten oder genau umgekehrt? Und was bitteschön soll ich mit meinen Beinen anstellen?

Wo Kapitalismus auf Spiritualität trifft

Möglichst unauffällig schiele ich nach den anderen Kursteilnehmern. Die Frau rechts von mir schaut sich ebenfalls verstohlen um und lächelt mir zu. Ob das ein Friedensangebot sein soll? Vorhin hat sie mir unabsichtlich den Arm in die Seite gerammt. Denn Platz ist hier Mangelware. Die Matten schmiegen sich so dicht aneinander wie frisch Verliebte.

Mussten wir deshalb zu Beginn des Kurses ein Formular unterschreiben, dass wir jegliche Verletzungen selbst zu verantworten haben? Zählen marktwirtschaftliche Überlegungen und juristische Bürokratie am Ende des Tages doch mehr als Zen und Achtsamkeit?

Der ältere Mann zu meiner Linken streift mich derweil mit einem triumphierenden Blick und hievt sich schwer atmend in den Kopfstand. Wie ein Hochleistungssportler wirkt er, nicht wie ein Sadhu. Was bitteschön soll daran entspannend sein?

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Heimat
Gesellschaft

Liebe Schweiz, manchmal nervst du tierisch!

Die Menschentraube am Check-in-Schalter bugsiert mich langsam vorwärts. Es ist brütend heiss in der Halle, die Luft riecht nach Sonnencrème, Schweiss und Ferienende. Das Flugticket nach Basel klebt in meiner Hand, der Tramper drückt auf meine Schultern. Ich verfluche meine Hamsterkäufe. Den sardischen Wein, den Pecorino, die Oliven. Die Leute drängeln. Ein dicker Mann tritt meinem Freund auf den Zeh. Eine Frau kreischt, weil sie für einen Augenblick ihr Kind aus den Augen verloren hat. Das schweizerdeutsche Stimmengewirr schmerzt in meinen Ohren. Spätestens jetzt will ich umkehren. So enden sie jedes Mal, meine Ferien. Mit Fluchtgedanken.

Was ist Heimat?

Denn die Schweiz und ich – das ist keine Liebesgeschichte. Obwohl es doch ganz einfach wäre. Auf dem Papier ist die Schweiz meine Heimat. Hier wurde ich geboren. Hier wuchs ich auf. Meine Eltern sind Schweizer. Meine Grosseltern auch. Schweizerdeutsch ist meine Muttersprache. Ich bin Schweizerin.

Aber was bedeutet mir die Schweiz? Ist die Schweiz meine Heimat? Und was bitteschön heisst Heimat überhaupt? Ist die Heimat ein Ort auf der Landkarte? Oder doch eher ein Gefühl von Geborgenheit, das uns wohlig wärmt? Und uns an einem beliebigen Ort auf der Welt packen kann?

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