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Gesellschaft

Minimalismus
Gesellschaft

Minimalismus: Weshalb Verzicht in Zeiten des Konsumwahnsinns so populär ist

Minimalismus ist zurzeit in aller Munde. Unzählige Blogs und YouTube-Kanäle propagieren den minimalistischen Lebensstil, Minimalisten lächeln von Zeitschriften-Covers und diskutieren in TV-Sendungen zwischen zwei Werbeblöcken über die Vorteile des Nicht-Besitzens. Und streiten hinter vorgehaltener Hand darüber, was ein richtiger Minimalist ist, beziehungsweise wie viele Dinge er besitzen darf.

Die dunkle Seite des Konsums: Kinderarbeit, 16-Stunden-Arbeitstage und Umweltzerstörung

Auf den ersten Blick erstaunt diese Entwicklung. Denn wir leben in einer Zeit, in der immer breitere Bevölkerungsschichten am Konsum teilhaben können – Wohlstand, Geiz-ist-geil-Mentalität, Dumpingpreise und Billigstarbeitskräfte in Asien und Afrika machen’s möglich.

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Heimat
Gesellschaft

Liebe Schweiz, manchmal nervst du tierisch!

Die Menschentraube am Check-in-Schalter bugsiert mich langsam vorwärts. Es ist brütend heiss in der Halle, die Luft riecht nach Sonnencrème, Schweiss und Ferienende. Das Flugticket nach Basel klebt in meiner Hand, der Tramper drückt auf meine Schultern. Ich verfluche meine Hamsterkäufe. Den sardischen Wein, den Pecorino, die Oliven. Die Leute drängeln. Ein dicker Mann tritt meinem Freund auf den Zeh. Eine Frau kreischt, weil sie für einen Augenblick ihr Kind aus den Augen verloren hat. Das schweizerdeutsche Stimmengewirr schmerzt in meinen Ohren. Spätestens jetzt will ich umkehren. So enden sie jedes Mal, meine Ferien. Mit Fluchtgedanken.

Was ist Heimat?

Denn die Schweiz und ich – das ist keine Liebesgeschichte. Obwohl es doch ganz einfach wäre. Auf dem Papier ist die Schweiz meine Heimat. Hier wurde ich geboren. Hier wuchs ich auf. Meine Eltern sind Schweizer. Meine Grosseltern auch. Schweizerdeutsch ist meine Muttersprache. Ich bin Schweizerin.

Aber was bedeutet mir die Schweiz? Ist die Schweiz meine Heimat? Und was bitteschön heisst Heimat überhaupt? Ist die Heimat ein Ort auf der Landkarte? Oder doch eher ein Gefühl von Geborgenheit, das uns wohlig wärmt? Und uns an einem beliebigen Ort auf der Welt packen kann?

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Hausarbeit
Gesellschaft

Ist Hausarbeit keine Arbeit? Über verstaubte Arbeitsvorstellungen, Genderklischees und richtig verzweifelte Hausfrauen

Letzte Woche schwang ich wieder einmal widerwillig den Putzlappen und kämpfte gegen den Staub, die Katzenhaare und meine Putzaversion. Ich schrubbte gerade leicht genervt die Badewanne, als ich mich fragte, wie viele Stunden pro Woche wir eigentlich mit Hausarbeit verbringen. Mit – wie es das Wort ja schon sagt – Arbeit. Arbeit jedoch, die nicht bezahlt wird. Arbeit, die belächelt und nicht als «richtige» Arbeit betrachtet wird. Und Arbeit, die auch im 21. Jahrhundert überwiegend von Frauen erledigt wird.

Schweizerinnen verbringen durchschnittlich 27,5 Stunden pro Woche mit Hausarbeit

Ich wollte es genau wissen und recherchierte: Laut dem Bundesamt für Statistik arbeitete Frau Schweizer im Jahr 2013 pro Woche durchschnittlich 27,5 Stunden im Haushalt, während es Herr Schweizer auf 17,3 Stunden brachte. Die Statistik berücksichtigt dabei klassische Hausarbeiten wie Putzen, Waschen und Kochen, aber auch die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Erwachsenen.

Betrachten wir ausserdem die kinderlosen Paare, die in einem 2-Personen-Haushalt leben: Frauen verbrachten 2013 durchschnittlich 22,6, Männer 15,4 Stunden pro Woche mit Hausarbeit. Erstaunliche Zahlen, nicht wahr?

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Arbeit
Gesellschaft

Identität und Arbeit: Ich arbeite, also bin ich?!

Kennst du das? Du schlenderst an einem gewöhnlichen Samstag durch die Stadt. Der Ausverkauf ist gerade in vollem Gang, die Schaufenster sind tapeziert mit grellen Plakaten, die «Sale» schreien und um deine Aufmerksamkeit kämpfen. Die Marketingstrategien sind offenbar erfolgreich, denn du ertappst dich dabei, wie du dich gedanklich intensiv mit den Stiefeln beschäftigt, die du eben gesehen hast. Jetzt überlegst du hin und her, ob es die schwarzen oder braunen sein sollen und ob du überhaupt neue Schuhe brauchst.

Innerlich ist dir natürlich klar, dass dich diese Stiefel nicht glücklich machen werden. Schliesslich steckt noch ein kleines Fünkchen Vernunft in dir. Und du weisst auch, dass du Stiefel im Schrank stehen hast, die es gut noch ein halbes Jahr machen werden. Und dass der endlose Ressourcenverschleiss die Welt in den Abgrund zu stürzen droht. Die Doku über die Kleiderindustrie kommt dir in den Sinn, die du letzten Samstag geschaut hast, und du erinnerst dich mit schlechtem Gewissen an deine guten Vorsätze.

Die nervigste aller Fragen: «Und du, was machst du so?»

Und dann steht plötzlich wie aus dem Nichts eine ehemalige Klassenkameradin vor deiner Nase und reisst dich unsanft aus deinen Gedanken. Nach einer zaghaften Begrüssung stellt sie dir die eine Frage. Die eine Frage, die du nicht mehr hören kannst. Die eine Frage, die in deinen Ohren schmerzt und einen Würgereiz im Hals auslöst: «Und duuuuuuuuuu, was machst du so?»

Klar, du könntest jetzt antworten: «Ich denke gerade über mein Konsumverhalten nach, über die Kinderarbeit in Bangladesch und den Dauerausverkauf in unseren Läden.» Diese Antwort würde sie garantiert vor den Kopf stossen und sie würde sich fragen, ob du noch alle Tassen im Schrank hast. Denn darauf zielt ihre Frage natürlich nicht ab. Ihre Frage betrifft vielmehr das Heiligtum unserer Gesellschaft schlechthin: die Lohnarbeit. 

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Schönheit
Gesellschaft

Spieglein, Spieglein an der Wand, für wen macht sich frau eigentlich schön?

Neulich in der Mensa: Drei Studentinnen unterhielten sich angeregt über das Wochenende, den Ausgang und die bevorstehenden Prüfungen. Da meinte die eine, während sie ein Salatblatt aufspiesste: «Ich gehe jetzt wieder dreimal pro Woche laufen. In meinem Bikini sehe ich momentan aus wie ein Wackelpudding auf zwei Beinen.» Die zweite Frau grinste, nagte an ihrer Gurke und erwiderte: «Ich probiere es dieses Jahr mit Low-Carb und Hot Yoga. Ich sage dir, es ist krass, wie schnell du da abnimmst. Musst du unbedingt mal probieren.» Die dritte Frau schaute betreten zu Boden, zog ihr schlabbriges T-Shirt über den Hosenbund und biss verlegen in ihr halb aufgegessenes Schinkensandwich. Was sie sich wohl dachte?

Dieses Gespräch zeigt untrüglich, dass der Frühling vor der Tür steht. Denn spätestens mit den ersten Blumen, die ihre Köpfchen aus der Erde strecken, den steigenden Temperaturen und den (noch) zaghaften Sonnenstrahlen beginnt für viele Frauen wieder der alljährliche Wettstreit um die perfekte Bikinifigur. Den imaginären Pölsterchen an der Hüfte, der Cellulite an den Oberschenkeln und den Speckröllchen am Bauch, die sich im Winter noch wohlig unter einem Schlabberpulli verstecken liessen, wird der Krieg erklärt.

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Trumps Einreiseverbot
Gesellschaft

Über Trumps Einreiseverbot und den zerstörten amerikanischen Traum

Donald Trumps Einreiseverbot für Muslime lässt die Welt Ende Januar 2017 erstarren: Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt macht der amerikanische Präsident seine Drohungen war und unterschreibt ein Dekret, das Muslimen aus sieben Ländern für 90 Tage untersagt, in die USA einzureisen. Und das ohne Prüfung oder Abklärung der persönlichen Situation. Zudem verbietet das Dekret jeglichen Flüchtlingen die Einreise kategorisch für 120 Tage, syrischen Flüchtlingen sogar für unbestimmte Zeit. Unterdessen hat ein Bundesrichter das Einreiseverbot vorläufig gestoppt. Doch wie die Sache ausgeht, ist nach wie vor unklar.

Trumps Amerika: das Land der begrenzten Möglichkeiten

Klar sollte jedoch spätestens jetzt sein, dass Trump eine ernsthafte Bedrohung für Amerika und die freie Welt darstellt. In erster Linie gefährdet er die hart erarbeiteten demokratischen Werte und rechtsstaatlichen Prinzipien. Aber auch den amerikanischen Traum stellt er auf die Probe. Der Traum, der besagt, dass es allen unabhängig von der Herkunft möglich sein soll, es zu etwas zu bringen. Dass Religionszugehörigkeit, Nationalität oder Ethnizität keine Rolle spielen, solange man nur täglich schuftet. Und dass selbst Tellerwäscher zu Millionären werden können.

Dass dieser Traum mit der Wirklichkeit so viel zu tun hat wie ein Hollywood-Streifen, ist unbestritten. Denn die soziale Herkunft bestimmt nach wie vor die Aufstiegsmöglichkeiten – das gilt für Europa ebenso wie für die USA. Doch Trumps Dekret lässt den amerikanischen Traum bereits an der Passkontrolle platzen. Wer den falschen Pass besitzt, hat hier ausgeträumt. Einer iranischen Wissenschaftlerin, die an einem Kongress teilnehmen möchte, wird die Einreise mit Hinweis auf ihre Nationalität verweigert. Ebenso einem irakischen Doppelbürger, der aus dem Urlaub heimkehrt. Und selbst syrische Kinder stellen plötzlich eine Gefahr für die USA dar.

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Selfies
Gesellschaft

Selfies, Selbstdarstellung und Instagram: Jenseits des schönen Scheins

Ein Blick auf Instagram und die unzähligen Selfies von Herr und Frau Müller genügt: Ja, Selfies sind salonfähig geworden. Da lassen Männer ihre kraftraumgestählten Muskeln spielen und Frauen klimpern mit falschen Wimpern oder lichten ihre solariumgeküssten Körper halbnackt vor dem Badezimmerspiegel ab. Kein Wunder hat der Oxford English Dictionary das Wort «selfie» zum englischen Wort des Jahres 2013 gekürt. Zum Wort also, das den Zeitgeist am besten widerspiegeln soll.

Schein oder digitales Nichtsein, das ist hier die Frage

Ich mag Selfies nicht. Und Instagram ödet mich an. Was bitteschön ist interessant an den ewig gleichen Bildern von grünen Smoothies, weissen Möbeln, Sukkulenten in niedlichen Töpfen und zurechtgefilterten Menschen? Mir fehlt die Originalität. Und die Authentizität. Instagram ist zu steril, zu perfekt. Da gibt es keine überquellenden Wäschekörbe, keine vergammelten Äpfel in der Obstschale, keine Pickel im Gesicht, keine Ehekrisen oder schreienden Kinder. Die Realität hat auf Instagram keinen Platz. Und mehr noch: Wer hier richtig Erfolg haben will, muss tief in die Trickkiste greifen. Ob Tricksen mit Photoshop, Facetune, Filter oder dem richtigen Winkel – alles ist erlaubt. Mit der Wirklichkeit haben die meisten Bilder auf Instagram folglich wenig zu tun. Nein, es sind streng zensierte und bestens frisierte Häppchen aus dem eigenen Leben, die Realität vorgaukeln. weiterlesen…