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Glück

Glück
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Über die Kraft der Langsamkeit und das kleine (Pilz-)Glück am Wegrand

Es geschah neulich beim «Piuzele». Missmutig stapfte ich neben meinem Freund durch den goldenen Herbstwald. Der Boden war nass und schlammig, am Vortag hatte es sintflutartig geregnet. Nun war die Nässe durch meine Schuhe in meine Socken gedrungen und die Kälte war gerade im Begriff, meine Beine hochzukriechen und mich in ihren eisigen Mantel zu hüllen. Auch meine Stimmung war am Gefrierpunkt angelangt. Der Pilzkorb in meiner rechten Hand gähnte vor Leere. Ich schaute auf den kümmerlichen Maronenröhrling, der da lag, und empfand Mitleid mit der Petersilie im Kühlschrank, die jetzt mangels Pilzen weiter ihr einsames Dasein fristen und langsam verwelken würde.

Manchmal räkelt sich das Glück aus dem Moosbett

Ich war ganz in missliche Gedanken versunken, als ich auf dem Rückweg am Wegrand einen Pilz entdeckte, der sich keck aus seinem Moosbett räkelte. «Das wird irgendein Täubling sein», dachte ich und schob vorsichtig die Moosdecke beiseite. Zu meiner Überraschung enthüllte ich einen grossen, wohlriechenden Pilz mit einem bauchigen Stamm. Es war ein prächtiger Steinpilz, der sich da am Wegrand versteckt hatte. Und an dem wir vor einer Stunde blindlings vorbeigegangen waren.

Der kostbare Fund spornte uns an. Trotz der Kälte suchten wir eifrig weiter und plötzlich fanden wir Speisepilze en masse. Was für einen Unterschied die Perspektive doch ausmacht! Am Ende des Nachmittags war unser Korb mit etlichen Maronenröhrlingen, Lachsreizkern, Eierschwämmen und vier wunderschönen Steinpilzen gefüllt.

In den folgenden Wochen dachte ich oft an diesen Tag zurück, versinnbildlicht er doch nebst der Macht der Perspektive, über die ich hier geschrieben habe, zwei weitere, wesentliche Dinge: Erstens ist der Weg das Ziel und zweitens will gut Ding Weile haben.

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Studentenzeit
Glück

Die Studentenzeit: Die besten Jahre des Lebens?

Ich hätte nie gedacht, dass ich dies einmal sagen, eh pardon schreiben würde. Aber ganz ehrlich, ich beneide sie. Die Schwärme von Erstsemestern, die in diesen Tagen auf der Suche nach dem richtigen Vorlesungssaal oder Seminarraum wie aufgescheuchte Bienen auf dem Unigelände herumschwirren, den Rucksack voller Skripte und Bücher, die sie mangels Zeit nie alle lesen werden, den Kopf voller Zukunftsträume. Nichts Geringeres als Neurochirurg wollen sie werden, Menschenrechtsanwalt, Meeresbiologe oder Fernsehjournalist. Ach, wie grossartig die Zeiten doch waren, als wir noch Träume hatten. Und alles möglich schien.

Der Herbst duftet nach Uni, Freiheit und durchgelernten Nächten

Der Herbst riecht für mich auch mit 35 Jahren noch nach Unibeginn, nach Freiheit, Jugend und Unbeschwertheit. Ja, ich vermisse diese Zeit, in der es keine grösseren Sorgen gab als WG-Putzpläne, nervtötende Nebenjobs, öde Semesterarbeiten und ein paar Prüfungen zum Semesterende.

Doch was vermisse ich eigentlich? Vorlesungen in stickigen Räumen, die ich mangels Platz kauernd auf der Treppe verbrachte? Professoren, die ihr Skript so schnell herunterbrabbelten, dass es unmöglich war, sich Notizen zu machen, geschweige denn, dem Unterricht zu folgen? Vorlesungen über Verwandtschaftsethnologie, den Sonderbundskrieg und Medienrecht? Magenschmerzen von zu viel billigem Milchkaffee aus Pappbechern? Durchgelernte Nächte, wichtigtuerische Kommilitonen und Streitereien mit meinen Mitbewohnern, zum Beispiel über die wichtige Frage, wer den Abfall rausstellen oder das Klo reinigen muss?

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Yoga
Glück

Jenseits von Verrenkungen: Warum Yoga mehr ist als ein weiterer Fitnesstrend

Der Schweiss strömt mir übers Gesicht. Meine Beine zittern verdächtig. Im winzigen Yogastudio riecht es nach menschlichen Ausdünstungen, Anstrengung und Ehrgeiz. Das hohe Tempo raubt mir buchstäblich den Atem. Asana jagt Asana. Dabei sollten wir uns doch auf unseren Atem konzentrieren. Aber ich bin viel zu beschäftigt mit der korrekten Ausführung der einzelnen Bewegungen. Muss ich den rechten Arm über dem linken verknoten oder genau umgekehrt? Und was bitteschön soll ich mit meinen Beinen anstellen?

Wo Kapitalismus auf Spiritualität trifft

Möglichst unauffällig schiele ich nach den anderen Kursteilnehmern. Die Frau rechts von mir schaut sich ebenfalls verstohlen um und lächelt mir zu. Ob das ein Friedensangebot sein soll? Vorhin hat sie mir unabsichtlich den Arm in die Seite gerammt. Denn Platz ist hier Mangelware. Die Matten schmiegen sich so dicht aneinander wie frisch Verliebte.

Mussten wir deshalb zu Beginn des Kurses ein Formular unterschreiben, dass wir jegliche Verletzungen selbst zu verantworten haben? Zählen marktwirtschaftliche Überlegungen und juristische Bürokratie am Ende des Tages doch mehr als Zen und Achtsamkeit?

Der ältere Mann zu meiner Linken streift mich derweil mit einem triumphierenden Blick und hievt sich schwer atmend in den Kopfstand. Wie ein Hochleistungssportler wirkt er, nicht wie ein Sadhu. Was bitteschön soll daran entspannend sein?

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Glück
Glück

Warum uns das Glück niemals finden wird

«Irgendeinisch fingt ds Glück eim.» So lautet der Refrain eines Songs der Berner Band Züri West. Irgendeines Songs? Nein! Für mich ist «Fingt ds Glück eim?» nicht irgendein Lied. Es ist ein Lied, das mich treu durch meine Jugendjahre begleitete, das ich heiss liebte und in dessen Melancholie ich mich genüsslich suhlte. Und es ist ein Lied, das ich kürzlich beim Joggen wiederentdeckte – Zufallsmodus sei Dank. Doch der Song stimmte mich auch nachdenklich. Ist es denn tatsächlich so? Findet einen das Glück eines schönen Tages? Einfach so? Zufällig? Irgendwo auf einem Parkplatz, an einer Bushaltestelle oder an einem Küchentisch, wie Kuno Lauener, der Frontmann der Band, singt?

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Selbstoptimierung, nein danke
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Selbstoptimierung? Nein danke! Warum Perfektion langweilig ist

Neulich sass ich an der Aare, las ein Buch und schleckte ein Eis. Ich genoss die unbeschreibliche Leichtigkeit des ersten Sommertages – er schmeckte nach Brombeere und gesalzenem Karamell – und lauschte unfreiwillig zwei jungen Müttern, die sich über Windeln, Wäscheberge und Weiterbildungen unterhielten. Die eine wiegte einen weinenden Jungen im Arm, während die andere erfolglos versuchte, ihre zwei Mädchen im Zaum zu halten.

Die zweite Frau hatte gerade die von Schokoladeeis bekleckerten Gesichter der beiden Mädchen gesäubert, als sie tief seufzte und meinte: «Manchmal ist mir alles zu viel. Das Mamisein, der Haushalt, die Arbeit. Und ständig muss man sich weiterbilden, muss diese und jene Kurse und Events besuchen. Und Sport sollte ich auch mal wieder treiben. Doch dafür habe ich schlicht keine Zeit!»

Die Frau mit dem weinenden Jungen im Arm hob die gezupfte Augenbraue und erwiderte spitz: «Du musst dir halt bewusst Zeit für den Sport nehmen. So mache ich es. Obwohl ich zugeben muss, dass ich mein Vor-Schwangerschafts-Gewicht noch nicht ganz erreicht habe.» Und nach einer kurzen Pause fuhr sie fort: «Das Leben ist halt kein Zuckerschlecken. Wenn du nicht ständig dranbleibst, bist du im Nullkommanichts weg vom Fenster. Das willst du noch nicht, oder?»

Der Selbstoptimierungswahn hat alle Lebensbereiche fest im Griff

Die Mädchenmamma tat mir leid. Und ich ärgerte mich über den unsensiblen Kommentar der Bubenmamma. Beide hatten – nur so nebenbei gesagt – einen wunderschönen Körper.

Doch man beziehungsweise frau kann offenbar nie perfekt genug sein. Zweifellos liegt der Selbstoptimierungswahn im Trend. Und hat mittlerweile alle Lebensbereiche infiltriert – die Arbeit, die Freizeit, den Körper, die Kleidung, die Ernährung, die Kindererziehung, um nur einige zu nennen.

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Sicherheitsdenken
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Carpe diem! Ein Plädoyer gegen das Sicherheitsdenken

Neulich stolperte ich über einen – ja, ich gebe es zu – an sich harmlosen Zeitungsartikel. Im besagten Artikel warnte die Journalistin potenzielle Weltenbummlerinnen und Weltenbummler davor, der Schweiz für längere Zeit den Rücken zu kehren. Warum? Weil, so argumentierte sie, ein Auslandaufenthalt eine Kürzung der Rente nach sich ziehen könnte. Das Sicherheitsdenken treibt manchmal seltsame Blüten, nicht wahr?

Doch schauen wir etwas genauer hin. Die Message lautete: Vergessen Sie die Altersvorsorge nicht, wenn Sie auf Weltreise gehen, an einer ausländischen Universität studieren oder im Ausland arbeiten. Denn für jedes Jahr, in dem man bzw. frau keine Beiträge an die AHV zahle, würde die Rente um 2.3% gekürzt. Im Jahr 2015, so der Artikel weiter, hätten schon 12% der Schweizer Neurentner und 27% der ausländischen Neurentner in der Schweiz Beitragslücken in der AHV aufgewiesen. Alarmierende Zahlen also!

Die Weltreise – eine unbezahlbare Erinnerung

Ja, ich gestehe es: Auch ich habe meine AHV-Beiträge nicht lückenlos eingezahlt. Weil ich Mitte zwanzig die Welt entdecken wollte und mich zu wenig um meine Altersvorsorge gekümmert habe. Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter, in dem ich mir tatsächlich manchmal Sorgen um meine erste, zweite und dritte Säule mache. Und trotzdem bin ich der Meinung: Eine Weltreise oder ein Austauschjahr während des Studiums sind unbezahlbare Erinnerungen. Und wiegen eine mögliche Rentenkürzung auf.

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Sport
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Sport und ich – die Geschichte einer Hassliebe

Heute schnüre ich meine Joggingschuhe zwei- bis dreimal pro Woche. Und auch meine Yogamatte rolle ich regelmässig aus. Doch das war nicht immer so. Denn lange lebte ich getreu dem Motto «Sport ist Mord». Aber gehen wir schön der Reihe nach.

Alles begann vor mehr als zwanzig Jahren in einem nicht ganz so malerischen Berner Dorf. Ich gebe es zu: Im Sportunterricht war ich eine richtige Niete. Niemand wollte mich in seinem Team haben, wenn wir Völkerball (wer hat sich bloss diese rassistische Sportart ausgedacht?) oder Unihockey spielten.

Schlimm waren für mich besonders jene Tage, an denen wir unsere Teams selbst zusammenstellen durften. Denn dann litt mein seelisches Wohlbefinden und mein Selbstvertrauen schmolz wie Butter in der Sonne. Warum? Weil ich stets unter den Letzten war, die gewählt wurden.

Einsam und verlassen stand ich dann nämlich in der gelichteten Reihe, starrte auf den Boden und wünschte mir, jemand anderes zu sein. Eine beliebte und umjubelte Superheldin mit ellenlangen athletischen Beinen und muskulösen Armen etwa. Denn ich genügte offenbar nicht. Das war die simple Lehre, die ich daraus zog.

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