Scheidung
Glück

Endstation Scheidung: verliebt, verheiratet, verfeindet

Ich tummelte mich gerade in den Niederungen des World Wide Web und klickte mich durch Granatapfelentkernungstutorials, als mich die Nachricht von Thomas Gottschalks Scheidung ereilte. Ja, ich gebe es zu: Die Neuigkeit erreichte mich per Brigitte Push-Nachrichten und warum ich die erhalte, weiss ich auch nicht so genau. Aber schweifen wir nicht ab: Nach 42 Jahren Ehe lassen sich Thomas Gottschalk (68) und seine Frau Thea (73) also scheiden, Deutschland ist laut Bunte «geschockt». Kurze Zeit später geht erneut ein Aufschrei durch die Nation. Offenbar hat der Fernsehmoderator bereits eine Neue und noch dazu eine zehn Jahre Jüngere, OH MEIN GOTT!

Ganz ehrlich, ich hatte bis zu jener fatalen Nachricht keine Ahnung, wie Thomas Gottschalks Frau heisst, und die Scheidung von Thomas und Thea lässt mich ziemlich kalt. Aber die Themen Heirat und Scheidung sind für mich brandaktuell – auch wenn oder vielmehr gerade weil ich nicht verheiratet bin.

Vom Heirats- zum Scheidungsfieber

Ich zähle mittlerweile stolze 37 Jahre, bin seit 21 Jahren in festen Händen und trotzdem ledig –  kein Wunder, löst das mitunter ungläubige Blicke oder gar verstohlenes Kopfschütteln aus. Denn die Heirat gehört in unserer Gesellschaft ebenso selbstverständlich dazu wie das Kinderkriegen. Aber lassen wir Letzteres einmal sein und konzentrieren uns auf Ersteres.

Vor zehn Jahren begann es auch in meinem Freundeskreis: das Heiratsfieber. Die ersten Mutigen schworen sich die ewige Treue und zelebrierten den wohl stressigsten Tag ihres Lebens mit viel Pomp und Getöse. Das Heiratsfieber mauserte sich in Windeseile zur Epidemie und auf einmal waren praktisch alle vom Virus infiziert. Alle? Nein, ich blieb davon verschont. Folglich musste ich mich rechtfertigen und mir immer wieder blöde Sprüche anhören.

Jetzt lassen sich die ersten Kollegen wieder scheiden und streiten vor Gericht mit ebenso viel Getöse über das Haus, den Hund und das Auto mit Vierradantrieb. So endet sie also, die grosse Liebe. Mit einem Meer aus Tränen und Fäkalwörtern, juristischen Spitzfindigkeiten und einem Konto auf Hungerkur.

Jede dritte Ehe wird geschieden

Betrachten wir die die Ehe einmal ohne getönte Brille: Ist es nicht erstaunlich, wie positiv wir dieser Institution gegenüberstehen? Im Grunde genommen ist die Ehe doch nichts als ein Vertrag, mit dem wir uns freiwillig an eine andere Person binden. Und noch dazu ein ziemlich folgenreicher.

Schauen wir uns die Statistiken an, dann wird zudem schnell klar, dass die Ehe ein höchst unsicheres Projekt ist. In der Schweiz wird heute jede dritte Ehe geschieden und oft endet eine Scheidung in massiven finanziellen Problemen. Aber das schreckt uns nicht ab. Nein, wir glauben nach wie vor an die romantische Liebe à la Rosamunde Pilcher, schwören wir uns eifrig die Treue, wollen füreinander da sein in Krankheit und Gesundheit und bis dass der Tod uns scheidet sowieso.

Den Hochzeitstraum habe ich nie mitgeträumt. Die Ehe assoziiere ich eher mit einem windgepeitschten Unterschlupf als mit einem sicheren Hafen. Das heisst: Ich sah mich nie in einem weissen Kleid auf einem Schimmel an meinen Traumprinzen geklammert in den Sonnenuntergang reiten, um dann glücklich und zufrieden bis an unser Lebensende in einem Häuschen in der Agglo zu leben und jedes Wochenende zusammen Gipfeli zu essen. Ich bin ein Scheidungskind. Mit 16 Jahren lernte ich, dass die Liebe ganz schön schmerzen kann. Und dass der Schmerz zum Leben dazu gehört, genauso wie die Freude.

Das Geheimnis einer glücklichen Beziehung

Aber die Schattenseiten des Lebens verleugnen wir heute gerne. Lieber zelebrieren wir das positive Denken und die ständige Selbstoptimierung. Wir meditieren verbissen, färben unsere Haare mit Biohaarfarbe, notieren uns tagtäglich, wofür wir dankbar sind und wie toll unser Leben ist, schicken unsere Wünsche ans Universum, damit sie sich ja erfüllen, und haben Affären. Denn möglicherweise steckt in der Frau an der Bushaltestelle oder im Mann vom Geschäftsapéro ja ein Upgrade zum Ehepartner und vielleicht, ja vielleicht ist es uns auch einfach gerade ein bisschen langweilig.

Sicher, es gibt gute Gründe, sich scheiden zu lassen. Und manchmal findet sich tatsächlich kein gemeinsamer Weg mehr. Doch zwei Dinge sollten wir uns vor Augen führen, bevor wir eine jahrelange Beziehung aufs Spiel setzen. Erstens verliert jede Romanze mit der Zeit an Biss, auch die Frau an der Bushaltestelle wird ihren Reiz einbüssen, sobald man jahrelang das Zahnbürstli und Teetassli geteilt hat. Und zweitens werden wir das Glück nie in einer anderen Person finden – denn das Glück finden wir nur in uns selbst. Und genau das ist letztlich die Basis für eine lange und glückliche Beziehung, ganz egal ob mit oder ohne Ehevertrag.

Liebe Leserin, lieber Leser, was ist Ihr Geheimrezept für eine glückliche Beziehung? Hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar.

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