Graue Haare
Selbstbestimmung

Graue Haare? Na und?!

Neulich trödelte ich vor dem Zubettgehen wieder einmal im Bad herum, mein Partner tigerte bereits vor der Tür auf und ab, meine Katze miaute vorwurfsvoll und trotzdem putzte ich meine Zähne ein zweites Mal ausgiebig mit meinem neuen, zu 90 % abbaubaren Zahnbürstli aus Bambus. Die Welt roch nach Biosalbei und Biominze und ich war rundum zufrieden. Schliesslich hatte ich soeben einen Beitrag für eine bessere Welt geleistet, oder? So nahm ich mir etwas zu viel Zeit, um mich ausgiebig im Spiegel zu betrachten. Und da entdeckte ich sie: Die ersten grauen Haare. Was? Graue Haare? Ich? No way!

Der Griff zur Pinzette war nicht weit, aber schlecht durchdacht, die verräterischen Haare schnell beseitigt, die Illusion ewiger Jugend wiederhergestellt. Doch die Verunsicherung ist geblieben. Und sie nagt an mir.

Das Problem ist: Bis anhin sah ich wesentlich jünger aus, als ich in Tat und Wahrheit bin. Ein paar Beispiele gefällig? Mit 28 erhielt ich eine Liebeserklärung von einem 16-Jährigen, mit 30 ging ich bei meiner neuen Arbeitsstelle glatt als Praktikantin durch und noch mit 35 musste ich im Coop den Ausweis vorzeigen, wenn ich eine Flasche Wein kaufen wollte. Und jetzt habe ich plötzlich graue Haare. Das ist ein ganz schön harter Schlag!

Graue Haare – gekräuselte Mahnmale der Veränderung

Seit dieser einschneidenden Zäsur in meinem Leben ist inzwischen etwas Zeit vergangen – und die grauen Haare sind nachgewachsen. Wie gekräuselte Mahnmale der Veränderung stehen sie von meinem Kopf ab. Ich habe probiert, sie auszureissen, sie mit Biohaarfarbe zu färben und momentan versuche ich gerade, sie zu akzeptieren.

Denn nichts hält für ewig, die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung, meine Meditationsapp hat schon recht. Aber warum versuchen wir so verbissen, uns an Illusionen festzuklammern, der ewigen Jugend, dem einen richtigen Job, dem einen perfekten Lebenspartner, der einen besten Freundin? Warum denken wir so oft schwarz-weiss statt kunterbunt?

Wir sind nie mehr so jung wie gerade jetzt

Das Leben ist im ständigen Fluss, alles ändert sich unablässig, die Jahreszeiten, die Sprache, die Menschen, unser Körper, aber zum Glück auch unsere Perspektive. Mit 18 dachte ich, die beste Zeit meines Lebens sei bereits vorbei. Mit 30 wähnte ich mich mit einem Fuss im Altersheim. Und jetzt, mit 37, bin ich überzeugt, dass mein Leben gerade beginnt, trotz der ersten grauen Haare.

Denn mir ist eins klar geworden: Ich bin nie mehr so jung wie genau in diesem Moment, habe nie mehr so wenig graue Haare, nie mehr so wenig Falten, bin nie mehr so fit. Die Vergangenheit ist vergangen, die Zukunft ungewiss. Der gegenwärtige Moment ist alles, was zählt. Also: Carpe diem, liebe Leute! Mit dem Alter wird vieles komplizierter, aber zum Glück auch einiges klarer. Und momentan löst Biohaarfarbe all meine altersbedingten Problemchen – noch!

Liebe Leserinnen, liebe Leser, wie gehen Sie mit dem Altern um? Hinterlassen Sie mir gerne einen Kommentar.

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