Neustart
Leben

Neustart und Fokus auf das Veränderbare: 2021, ich bin bereit!

Gestern Mittag war ich im Wald. Ich lief meine übliche Joggingrunde, kämpfte mich keuchend den gehassten Hang hinauf, kreuzte andere keuchende Joggerinnen und Jogger, manche in kurzen Hosen, manche in Wollpullis. Seit dem Lockdown hat sich die Anzahl Joggerinnen und Jogger im Wald exponentiell vermehrt, also nahm ich einen Schleichweg, kahle Äste schlugen mir ins Gesicht, ich versank knöcheltief im Schlamm, fluchte über meine nassen Füsse. Und da entdeckte ich die ersten Knospen an den Bäumen, spürte das zaghafte Wiedererwachen der Natur und wusste: Es ist auch für mich Zeit für einen Neustart.

Neustart, das hört sich verlockend an. 2020 war trist und deprimierend, ein Jahr randvoll gefüllt mit Ängsten, Trübsal und Tränen. Ein klitzekleines Etwas dominierte plötzlich den Alltag, war der Star der Show, sorgte für Negativ-Schlagzeilen, die sich bedrohlich wie dunkle Wolken am Himmel auftürmten, raubte den Schlaf und den Verstand. Menschen stritten auf einmal um Positivitätsraten, R-Werte und den Sinn und Unsinn von Massnahmen, Massentests und Masken. Ich diskutiere nicht mehr mit – nein, 2021 soll anders sein.

Höchste Zeit für einen Neustart

2020. Das ist nicht nur das Jahr, in dem ein Virus die Welt lahmlegte. Es ist auch das Jahr, in dem mein Vater starb. Mit 67. An einem Herzinfarkt. Kurz vor Weihnachten, an einem wunderbar sonnigen Tag.

Seither ist für mich nichts mehr, wie es einmal war. Erinnerungen überfluten mich, reissen mich mit, schöne und weniger schöne, traurige und lustige. Was bleibt am Ende eines Lebens? Erinnerungen, ein paar vergilbte Fotos und Fragen. Fragen über Fragen. Was wäre gewesen, wenn?

Ich bin ein neugieriger Mensch, ich möchte wissen, ich stelle viele Fragen, manchmal so viele, bis mir schwindlig wird und ich die Antworten nicht mehr verarbeiten kann. Doch was ändern all die Fragen? Bringen sie mich weiter? Nein. Denn die Vergangenheit ist, was sie ist. Ebenso der Lockdown und die anhaltende Pandemie. Daran ändern auch all die Fragen nichts, oder?

2020 habe ich die Talsohle erreicht, habe mich von negativen Gedanken runterziehen, mir die Energie rauben lassen, schmiss all meine Vorsätze über Bord, ertränkte meine negativen Emotionen mit Netflix-Binge-Watching. Jetzt gilt: Neustart planen, auch wenn der Horizont noch verschwommen ist. Aber behutsam, mit kleinen Schrittchen und einem leichten Rucksack.

Circle of concern, circle of influence

Normalerweise setze ich mich am Jahresende hin, lasse das Jahr Revue passieren und fasse Vorsätze. 2020 konnte ich mich dazu nicht aufraffen und das neue Jahr ist gestartet wie das alte geendet hat: Trüb und deprimierend. Gestern habe ich mich endlich hingesetzt und einen Vorsatz gefasst, einen einzigen: Ich will mich nicht mehr mit Dingen beschäftigen, die ich nicht ändern kann (circle of concern). Stattdessen packe ich das an, was ich beeinflussen kann (circle of influence). Ich werde eine Yogaausbildung beginnen, ich werde wieder schreiben, gute Bücher lesen, meine Wohnung gemütlich einrichten, neue Rezepte ausprobieren, mich an den kleinen Dingen im Leben erfreuen. Mein Vater kommt nicht mehr zurück. Aber irgendwann, irgendwann wird diese Pandemie vorbei sein.

Liebe Leserin, lieber Leser, wie bist du ins neue Jahr gestartet, was hast du dir vorgenommen? Hinterlasse mir gerne einen Kommentar.

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