Angst und Panik
Selbstbestimmung

Wenn ein Leberfleck alles ändert: Ein Protokoll der Angst

Plötzlich war alles anders. Ein flüchtiger Blick in den Spiegel hatte der Angst die Eingangspforte zu meiner Seele geöffnet. Jetzt sass sie mir im Nacken. Nein, genau genommen hatte sie sich frech zwischen meine Schulterblätter gesetzt. Und zwar in der Form eines hässlichen, abstehenden, munter vor sich hinwachsenden Leberflecks.

Angst? Flüchten oder kämpfen, wir haben die Wahl

Was tun wir, wenn wir Angst haben? Es ist simpel. Wir flüchten. Oder wir kämpfen. Das heisst: Entweder vermeiden wir die angstauslösende Situation oder wir stellen uns ihr.

Ich entschied mich für Letzteres. Denn ich weiss aus eigener Erfahrung: Wenn wir uns der Angst nicht stellen, kommt sie früher oder später immer zurück. Und zwar mit doppelter Kraft.

Ich rief also zuerst bei meinem telemedizinischen Zentrum an – genau so, wie es mein Versicherungsmodell vorsieht. Nachdem mich die diensthabende Ärztin telefonisch befragt und die Fotos meines Leberflecks – die ich ihr eingangs schicken musste – ausgewertet hatte, beschloss sie, mich an einen Dermatologen zu überweisen. Mein Leberfleck sah zwar unverdächtig aus. Aber er war gewachsen. Und das war kein gutes Zeichen. So viel hatte ich verstanden.

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Hausarbeit
Gesellschaft

Ist Hausarbeit keine Arbeit? Über verstaubte Arbeitsvorstellungen und richtig verzweifelte Hausfrauen

Letzte Woche schwang ich wieder einmal widerwillig den Putzlappen und kämpfte gegen den Staub, die Katzenhaare und meine Putzaversion. Ich schrubbte gerade leicht genervt die Badewanne, als ich mich fragte, wie viele Stunden pro Woche wir eigentlich mit Hausarbeit verbringen. Mit – wie es das Wort ja schon sagt – Arbeit. Arbeit jedoch, die nicht bezahlt wird. Arbeit, die belächelt und nicht als «richtige» Arbeit betrachtet wird. Und Arbeit, die auch im 21. Jahrhundert überwiegend von Frauen erledigt wird.

Schweizerinnen verbringen durchschnittlich 27,5 Stunden pro Woche mit Hausarbeit

Ich wollte es genau wissen und recherchierte: Laut dem Bundesamt für Statistik arbeitete Frau Schweizer im Jahr 2013 pro Woche durchschnittlich 27,5 Stunden im Haushalt, während es Herr Schweizer auf 17,3 Stunden brachte. Die Statistik berücksichtigt dabei klassische Hausarbeiten wie Putzen, Waschen und Kochen, aber auch die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Erwachsenen.

Betrachten wir ausserdem die kinderlosen Paare, die in einem 2-Personen-Haushalt leben: Frauen verbrachten 2013 durchschnittlich 22,6, Männer 15,4 Stunden pro Woche mit Hausarbeit. Erstaunliche Zahlen, nicht wahr?

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Sicherheitsdenken
Glück

Carpe diem! Ein Plädoyer gegen das Sicherheitsdenken

Neulich stolperte ich über einen – ja, ich gebe es zu – an sich harmlosen Zeitungsartikel. Im besagten Artikel warnte die Journalistin potenzielle Weltenbummlerinnen und Weltenbummler davor, der Schweiz für längere Zeit den Rücken zu kehren. Warum? Weil, so argumentierte sie, ein Auslandaufenthalt eine Kürzung der Rente nach sich ziehen könnte. Das Sicherheitsdenken treibt manchmal seltsame Blüten, nicht wahr?

Doch schauen wir etwas genauer hin. Die Message lautete: Vergessen Sie die Altersvorsorge nicht, wenn Sie auf Weltreise gehen, an einer ausländischen Universität studieren oder im Ausland arbeiten. Denn für jedes Jahr, in dem man bzw. frau keine Beiträge an die AHV zahle, würde die Rente um 2.3% gekürzt. Im Jahr 2015, so der Artikel weiter, hätten schon 12% der Schweizer Neurentner und 27% der ausländischen Neurentner in der Schweiz Beitragslücken in der AHV aufgewiesen. Alarmierende Zahlen also!

Die Weltreise – eine unbezahlbare Erinnerung

Ja, ich gestehe es: Auch ich habe meine AHV-Beiträge nicht lückenlos eingezahlt. Weil ich Mitte zwanzig die Welt entdecken wollte und mich zu wenig um meine Altersvorsorge gekümmert habe. Mittlerweile bin ich jedoch in einem Alter, in dem ich mir tatsächlich manchmal Sorgen um meine erste, zweite und dritte Säule mache. Und trotzdem bin ich der Meinung: Eine Weltreise oder ein Austauschjahr während des Studiums sind unbezahlbare Erinnerungen. Und wiegen eine mögliche Rentenkürzung auf.

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Arbeit
Gesellschaft

Identität und Arbeit: Ich arbeite, also bin ich?!

Kennst du das? Du schlenderst an einem gewöhnlichen Samstag durch die Stadt. Der Ausverkauf ist gerade in vollem Gang, die Schaufenster sind tapeziert mit grellen Plakaten, die «Sale» schreien und um deine Aufmerksamkeit kämpfen. Die Marketingstrategien sind offenbar erfolgreich, denn du ertappst dich dabei, wie du dich gedanklich intensiv mit den Stiefeln beschäftigt, die du eben gesehen hast. Jetzt überlegst du hin und her, ob es die schwarzen oder braunen sein sollen und ob du überhaupt neue Schuhe brauchst.

Innerlich ist dir natürlich klar, dass dich diese Stiefel nicht glücklich machen werden. Schliesslich steckt noch ein kleines Fünkchen Vernunft in dir. Und du weisst auch, dass du Stiefel im Schrank stehen hast, die es gut noch ein halbes Jahr machen werden. Und dass der endlose Ressourcenverschleiss die Welt in den Abgrund zu stürzen droht. Die Doku über die Kleiderindustrie kommt dir in den Sinn, die du letzten Samstag geschaut hast, und du erinnerst dich mit schlechtem Gewissen an deine guten Vorsätze.

Die nervigste aller Fragen: «Und du, was machst du so?»

Und dann steht plötzlich wie aus dem Nichts eine ehemalige Klassenkameradin vor deiner Nase und reisst dich unsanft aus deinen Gedanken. Nach einer zaghaften Begrüssung stellt sie dir die eine Frage. Die eine Frage, die du nicht mehr hören kannst. Die eine Frage, die in deinen Ohren schmerzt und einen Würgereiz im Hals auslöst: «Und duuuuuuuuuu, was machst du so?»

Klar, du könntest jetzt antworten: «Ich denke gerade über mein Konsumverhalten nach, über die Kinderarbeit in Bangladesch und den Dauerausverkauf in unseren Läden.» Diese Antwort würde sie garantiert vor den Kopf stossen und sie würde sich fragen, ob du noch alle Tassen im Schrank hast. Denn darauf zielt ihre Frage natürlich nicht ab. Ihre Frage betrifft vielmehr das Heiligtum unserer Gesellschaft schlechthin: die Lohnarbeit. 

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Schönheit
Gesellschaft

Spieglein, Spieglein an der Wand, für wen machen wir uns schön?

Neulich in der Mensa: Drei Studentinnen unterhielten sich angeregt über das Wochenende, den Ausgang und die bevorstehenden Prüfungen. Da meinte die eine, während sie ein Salatblatt aufspiesste: «Ich gehe jetzt wieder dreimal pro Woche laufen. In meinem Bikini sehe ich momentan aus wie ein Wackelpudding auf zwei Beinen.» Die zweite Frau grinste, nagte an ihrer Gurke und erwiderte: «Ich probiere es dieses Jahr mit Low-Carb und Hot Yoga. Ich sage dir, es ist krass, wie schnell du da abnimmst. Musst du unbedingt mal probieren.» Die dritte Frau schaute betreten zu Boden, zog ihr schlabbriges T-Shirt über den Hosenbund und biss verlegen in ihr halb aufgegessenes Schinkensandwich. Was sie sich wohl dachte?

Dieses Gespräch zeigt untrüglich, dass der Frühling vor der Tür steht. Denn spätestens mit den ersten Blumen, die ihre Köpfchen aus der Erde strecken, den steigenden Temperaturen und den (noch) zaghaften Sonnenstrahlen beginnt für viele Frauen wieder der alljährliche Wettstreit um die perfekte Bikinifigur. Den imaginären Pölsterchen an der Hüfte, der Cellulite an den Oberschenkeln und den Speckröllchen am Bauch, die sich im Winter noch wohlig unter einem Schlabberpulli verstecken liessen, wird der Krieg erklärt.

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Selbstverwirklichung
Selbstbestimmung

Wird Selbstverwirklichung überbewertet?

Es geschah vor Kurzem im Tram: In Gedanken versunken sass ich da und genoss die Frühlingsstimmung. Mir gegenüber hatten zwei Frauen um die zwanzig Platz genommen. Beide waren hübsch, gut gekleidet, trugen hochhackige Schuhe und elegante Mäntel. Die eine hatte ein bisschen zu viel Rouge aufgelegt und sich in der Lippenstiftfarbe vergriffen. Die Frauen unterhielten sich über ihre Jobs, die sie offenbar nicht mochten, lästerten über ihre Chefin und die nervigen Kunden. So weit so gut. Es war ein ganz alltägliches Gespräch unter Arbeitskolleginnen.

Selbstverwirklichung, nein danke!

Und da sagte die Frau mit den zu roten Wangen und dem zu grell geschminkten Mund: «Hast du gehört, Hannah will sich jetzt selbständig machen. Die faselt nur noch von Selbstverwirklichung und so. Also ich finde, Selbstverwirklichung wird total überbewertet. Das ist doch etwas für Träumer.» Ihre Kollegin nickte so heftig, dass ihr Pferdeschwanz wippte und pflichtete bei: «Hauptsache du hast einen sicheren Job. Das Leben ist halt kein Ponyhof.»

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Trumps Einreiseverbot
Gesellschaft

Über Trumps Einreiseverbot und den amerikanischen Traum

Donald Trumps Einreiseverbot für Muslime lässt die Welt Ende Januar 2017 erstarren: Nur wenige Tage nach seinem Amtsantritt macht der amerikanische Präsident seine Drohungen war und unterschreibt ein Dekret, das Muslimen aus sieben Ländern für 90 Tage untersagt, in die USA einzureisen. Und das ohne Prüfung oder Abklärung der persönlichen Situation. Zudem verbietet das Dekret jeglichen Flüchtlingen die Einreise kategorisch für 120 Tage, syrischen Flüchtlingen sogar für unbestimmte Zeit. Unterdessen hat ein Bundesrichter das Einreiseverbot vorläufig gestoppt. Doch wie die Sache ausgeht, ist nach wie vor unklar.

Trumps Amerika: das Land der begrenzten Möglichkeiten

Klar sollte jedoch spätestens jetzt sein, dass Trump eine ernsthafte Bedrohung für Amerika und die freie Welt darstellt. In erster Linie gefährdet er die hart erarbeiteten demokratischen Werte und rechtsstaatlichen Prinzipien. Aber auch den amerikanischen Traum stellt er auf die Probe. Der Traum, der besagt, dass es allen unabhängig von der Herkunft möglich sein soll, es zu etwas zu bringen. Dass Religionszugehörigkeit, Nationalität oder Ethnizität keine Rolle spielen, solange man nur täglich schuftet. Und dass selbst Tellerwäscher zu Millionären werden können.

Dass dieser Traum mit der Wirklichkeit so viel zu tun hat wie ein Hollywood-Streifen, ist unbestritten. Denn die soziale Herkunft bestimmt nach wie vor die Aufstiegsmöglichkeiten – das gilt für Europa ebenso wie für die USA. Doch Trumps Dekret lässt den amerikanischen Traum bereits an der Passkontrolle platzen. Wer den falschen Pass besitzt, hat hier ausgeträumt. Einer iranischen Wissenschaftlerin, die an einem Kongress teilnehmen möchte, wird die Einreise mit Hinweis auf ihre Nationalität verweigert. Ebenso einem irakischen Doppelbürger, der aus dem Urlaub heimkehrt. Und selbst syrische Kinder stellen plötzlich eine Gefahr für die USA dar.

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Sport
Glück

Sport und ich – die Geschichte einer Hassliebe

Heute schnüre ich meine Joggingschuhe zwei- bis dreimal pro Woche. Und auch meine Yogamatte rolle ich regelmässig aus. Doch das war nicht immer so. Denn lange lebte ich getreu dem Motto «Sport ist Mord». Aber gehen wir schön der Reihe nach.

Alles begann vor mehr als zwanzig Jahren in einem nicht ganz so malerischen Berner Dorf. Ich gebe es zu: Im Sportunterricht war ich eine richtige Niete. Niemand wollte mich in seinem Team haben, wenn wir Völkerball (wer hat sich bloss diese rassistische Sportart ausgedacht?) oder Unihockey spielten.

Schlimm waren für mich besonders jene Tage, an denen wir unsere Teams selbst zusammenstellen durften. Denn dann litt mein seelisches Wohlbefinden und mein Selbstvertrauen schmolz wie Butter in der Sonne. Warum? Weil ich stets unter den Letzten war, die gewählt wurden.

Einsam und verlassen stand ich dann nämlich in der gelichteten Reihe, starrte auf den Boden und wünschte mir, jemand anderes zu sein. Eine beliebte und umjubelte Superheldin mit ellenlangen athletischen Beinen und muskulösen Armen etwa. Denn ich genügte offenbar nicht. Das war die simple Lehre, die ich daraus zog.

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Selfies
Gesellschaft

Selfies, Selbstdarstellung und Instagram: Jenseits des schönen Scheins

Ein Blick auf Instagram und die unzähligen Selfies von Herr und Frau Müller genügt: Ja, Selfies sind salonfähig geworden. Da lassen Männer ihre kraftraumgestählten Muskeln spielen und Frauen klimpern mit falschen Wimpern oder lichten ihre solariumgeküssten Körper halbnackt vor dem Badezimmerspiegel ab. Kein Wunder hat der Oxford English Dictionary das Wort «selfie» zum englischen Wort des Jahres 2013 gekürt. Zum Wort also, das den Zeitgeist am besten widerspiegeln soll.

Schein oder digitales Nichtsein, das ist hier die Frage

Ich mag Selfies nicht. Und Instagram ödet mich an. Was bitteschön ist interessant an den ewig gleichen Bildern von grünen Smoothies, weissen Möbeln, Sukkulenten in niedlichen Töpfen und zurechtgefilterten Menschen? Mir fehlt die Originalität. Und die Authentizität. Instagram ist zu steril, zu perfekt. Da gibt es keine überquellenden Wäschekörbe, keine vergammelten Äpfel in der Obstschale, keine Pickel im Gesicht, keine Ehekrisen oder schreienden Kinder. Die Realität hat auf Instagram keinen Platz.

Und mehr noch: Wer hier richtig Erfolg haben will, muss tief in die Trickkiste greifen. Ob Tricksen mit Photoshop, Facetune, Filter oder dem richtigen Winkel – alles ist erlaubt. Mit der Wirklichkeit haben die meisten Bilder auf Instagram folglich wenig zu tun. Nein, es sind streng zensierte und bestens frisierte Häppchen aus dem eigenen Leben, die Realität vorgaukeln. weiterlesen…