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1968

1968
Gesellschaft

1968 – was ist geblieben?

Die 68er sind in die Jahre gekommen – und mit ihnen ihre Ideale. 1968, das ist lange her. Seither hat sich in der Schweiz viel verändert. Wir können problemlos ohne Trauschein zusammenleben. Frauen dürfen wählen und abstimmen, die Hausfrauen haben den Kochlöffel zumindest teilweise abgegeben, ihre Kinder besuchen Kitas und Tagis, Abtreibungen sind bis zur 12. Schwangerschaftswoche legal und niemand stösst sich mehr an langen Haaren oder an Miniröcken. Die Gesellschaft ist pluralistischer geworden. Und toleranter. Aber wir unterliegen nach wie vor zahlreichen Zwängen und Tabus, der Leistungsdruck hat zugenommen, der Stress auch. Und der Kapitalismus hat in den letzten fünfzig Jahren einen beispiellosen Siegeslauf hingelegt.

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Und mehr noch: Er wacht über uns vom Zähneputzen bis zum Gutenachtkuss. Wir seifen uns mit Inseltraum-Duschgel ein, trinken Schutzengeltee aus Einhorntassen, füttern unseren Katzen Temptations, knabbern an Kale statt an Grünkohl, kaufen Slimming-Jeans und Walk-on-Air-Schuhe und am Abend betten wir unsere Köpfe auf Anti-Aging-Kissen und träumen vom nächsten Schnäppchen. Werbung berieselt uns von morgens bis abends, begleitet uns auf Schritt und Tritt, eh Klick: Auf dem Natel, dem Tablett, dem Computer, den Plakaten an der Busstation, im Radio, im Fernsehen, an der Anzeigetafel im Bahnhof, auf Facebook, Twitter und Instagram.

Wir sind ständig online, huldigen Influencern mit vier Millionen Followern, deren Job einzig darin besteht, uns zu noch mehr Konsum zu verleiten, ziehen uns täglich ihre retuschierten Bilder rein, liken ihre bezahlten Posts zu Müsliriegeln und Anti-Schuppen-Shampoo. Wovor fliehen wir eigentlich?

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